Ruhr Museum

Chargesheimer. Die Entdeckung des Ruhrgebiets

26. Mai 2014 bis 18. Januar 2015

„Das Ruhrgebiet ist noch nicht entdeckt worden“, so lauten die ersten Worte des Einleitungstextes von Heinrich Böll zu dem Bildband „Im Ruhrgebiet“, den er zusammen mit dem Fotografen Chargesheimer im Jahre 1958 publizierte. Als Heinrich Böll und der Fotograf Chargesheimer 1957 durch das Ruhrgebiet reisten, der eine mit der Feder, der andere mit der Kamera, hatte das industrielle Ruhrgebiet gerade seinen Höhepunkt erreicht.

120 Millionen Tonnen – nie zuvor und nie wieder wurde im Ruhrgebiet so viel Kohle gefördert wie in diesem Jahr. Das Ruhrgebiet Ende der 50er Jahre, ein industrieller Ballungsraum, der völlig von Kohle und Stahl geprägt war: Zerstörung der Landschaft, Gesichtslosigkeit der Städte, Dominanz der schweren Männerarbeit.

Böll und Chargesheimer konnten nicht ahnen, dass jenes Jahr 1957 zum Wendepunkt des Ruhrgebiets werden sollte, dass der Beginn der Kohlekrise und damit der Strukturwandel kurz bevor stand, dennoch klingt das neue Ruhrgebiet in ihrem Werk schon an. Es sind die Freizeit und die Unterhaltung, der moderne Konsum und der beginnende Autoverkehr, vor allem aber die Menschen in der alltäglichen Umgebung, ihrer zur „Heimat“ gewordenen Industrieregion, die sich zwischen die Bilder des alten Ruhrgebiets schieben.

Die Fotografien von Chargesheimer stehen am Anfang der Bildtradition zum Ruhrgebiet im Strukturwandel und haben eine ganze Schule von Bildreportagen und Fotoprojekten zum Ruhrgebiet inspiriert. Seine Ruhrgebietsfotografien sind noch nie in Gänze, sondern nur in einer Auswahl in der Chargesheimer-Retrospektive im Museum Ludwig 2007/08 gezeigt worden.

Insgesamt liegen circa 1.500 Negative vor, die im Rahmen des Buchprojektes entstanden sind. Sie bilden den Fundus zu einer Ausstellung mit Ruhrgebietsbildern von Chargesheimer, die weit über den Bildband von 1958 hinausgeht und noch nie veröffentliche Fotos zeigt. Dabei werden die circa 250 Fotografien als Reprints mit den stilprägenden Bildbänden konfrontiert, die seit dem Chargesheimer Band in den letzten fünfzig Jahren zum Ruhrgebiet entstanden sind, um eine Geschichte der Bildsprache zum Ruhrgebiet entstehen zu lassen.

Katalog
Zur Ausstellung erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther König ein umfangreicher, 340 Seiten starker Katalog, der alle Fotografien der Ausstellung und die wichtigsten Fotobücher der letzten sechzig Jahre präsentiert. Aufsätze von Stefanie Grebe, Heinrich Theodor Grütter, Dieter Nellen, Andreas Rossmann und Sigrid Schneider interpretieren die Fotografien von Chargesheimer und das begleitende Essay von Heinrich Böll, die Kontroverse, die das Buch hervorgerufen hat, die Geschichte der Bildbände und Fotobände, die in der Folge entstanden sind und den damit verbundenen Wandel des öffentlichen Bildes des Ruhrgebiets.

Eintritt
6 €, ermäßigt 4 €, Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre frei sowie Schüler- und Studierendengruppen im Rahmen einer gebuchten Führung, Kombitickets, Jahreskarten und Gutscheine erhältlich

Gruppenführungen
90 Minuten, 70 € zzgl. Eintritt, Schüler- und Studierendengruppen 50 €, maximal 20 Teilnehmer, Fremdsprachen auf Anfrage